Ganzkörper-Trainingsplan: Aufbau, Übungen und Beispielplan

Ralf Pauls

23. Juli 2026

Frau macht Ausfallschritt mit Kurzhantel in hellem Home-Gym mit Widerstandsbändern und Pflanzen

Ein Ganzkörper-Trainingsplan trainiert alle großen Muskelgruppen in einer einzigen Einheit, zwei- bis dreimal pro Woche. Der Plan kombiniert Grundübungen für Beine, Rücken, Brust, Schultern und Rumpf und liefert bei zwei bis drei Einheiten die gleiche Trainingsfrequenz pro Muskel wie ein klassischer Split.

📋 Kurz zusammengefasst

Ein Ganzkörper-Trainingsplan (Full-Body-Split) bespielt alle Hauptmuskelgruppen pro Einheit. Zwei bis drei Einheiten pro Woche mit je 48 Stunden Regenerationspause reichen für Muskelaufbau bei Einsteigern und Fortgeschrittenen. Der Plan besteht aus sechs bis acht Grundübungen: Kniebeuge, Kreuzheben, Bankdrücken, Rudern, Schulterdrücken, Klimmzug plus Rumpfübung. Meta-Analysen zeigen keinen Vorteil klassischer Splits gegenüber Full-Body bei gleichem Wochenvolumen.

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Was ist ein Ganzkörper-Trainingsplan?

Ein Ganzkörper-Trainingsplan bespielt in jeder Einheit alle großen Muskelgruppen: Beine, Rücken, Brust, Schultern, Arme und Rumpf. Statt Muskelgruppen auf mehrere Tage zu verteilen, deckt eine Session alles ab und wird zwei- bis dreimal pro Woche wiederholt.

Das Prinzip ist alt und stammt aus dem Kraftsport der 1970er Jahre, in denen Trainer wie Bill Starr das Starting Strength-Modell mit drei Ganzkörper-Einheiten pro Woche populär machten. Heute setzen viele Studios das Prinzip in Formaten wie Freeletics, CrossFit-WOD und Functional-Fitness-Zirkeln wieder ein.

Im Unterschied zu einem 2er-Split (Ober- und Unterkörper an getrennten Tagen) oder einem Push-Pull-Beine-Split mit drei bis sechs Tagen wird beim Ganzkörper-Training jede Muskelgruppe pro Session mit ein bis zwei Übungen bedient. Für eine detaillierte Split-Auswahl siehe unseren Guide Trainingsplan für Muskelaufbau erstellen.

Wie oft sollte man einen Ganzkörper-Trainingsplan trainieren?

Zwei bis drei Ganzkörper-Einheiten pro Woche liefern die beste Balance aus Reiz und Regeneration. Zwischen zwei Einheiten sollten mindestens 48 Stunden liegen, damit Muskelfasern und Zentralnervensystem sich erholen. Vier Einheiten sind machbar, bringen aber selten mehr Muskelaufbau.

Eine Meta-Analyse von Schoenfeld, Ogborn und Krieger (2016) mit 25 Studien zeigte: bei gleichem Wochenvolumen bringt eine höhere Frequenz pro Muskelgruppe rund 0,49 Prozentpunkte mehr Hypertrophie pro Woche, die Effektstärke ist klein, aber konsistent. Für Full-Body bedeutet das: dreimal pro Woche jede Muskelgruppe zu treffen, ist effizienter als einmal pro Woche mit einem Bro-Split.

Eine aktuellere Meta-Analyse aus 2024 verglich Split- und Full-Body-Programme direkt und fand keine signifikanten Unterschiede beim Muskelwachstum oder Kraftzuwachs, wenn Volumen und Intensität konstant blieben. Die Wahl ist damit eine Frage von Zeitbudget und Präferenz, nicht von Ergebnissen.

💡 Expert Insight

Der Unterschied zwischen zwei und drei Ganzkörper-Einheiten pro Woche ist in der Praxis größer als er aussieht: die dritte Einheit hebt das Wochenvolumen von 12 auf 18 Sätze pro Muskelgruppe. Wer nur zweimal trainieren kann, sollte pro Übung einen zusätzlichen Satz einplanen oder das Gewicht bis zum Muskelversagen ausreizen, um denselben Effekt zu erzielen.

Welche Übungen gehören in einen Ganzkörper-Trainingsplan?

Ein solider Ganzkörper-Plan besteht aus sechs bis acht Grundübungen, die mehrere Gelenke gleichzeitig beanspruchen. Empfohlen sind eine Beinübung, eine Zug-, eine Druckbewegung sowie ein Klimmzug oder Rudern für den Rücken, dazu eine Übung für Schultern und Rumpf.

Die Kernstruktur folgt dem Muster Beine, Push, Pull, Schulter, Rumpf. Konkret sieht das so aus:

  • Beine (Quadrizeps, Gesäß): Kniebeuge oder Beinpresse, 3 Sätze zu 8-12 Wiederholungen
  • Beine (hintere Kette): Kreuzheben oder rumänisches Kreuzheben, 3 Sätze zu 6-10 Wiederholungen
  • Push (Brust, Trizeps): Bankdrücken (Kurzhantel oder Langhantel), 3 Sätze zu 8-12 Wiederholungen
  • Pull (Rücken, Bizeps): Klimmzug oder Latzug, 3 Sätze zu 6-12 Wiederholungen
  • Rudern: vorgebeugtes Rudern mit Kurzhantel, 3 Sätze zu 10-12 Wiederholungen
  • Schultern: Schulterdrücken (Overhead Press), 3 Sätze zu 8-10 Wiederholungen
  • Rumpf: Plank oder Ab-Wheel, 2-3 Sätze bis nahe an das Versagen

Die Reihenfolge ist wichtig: schwere Mehrgelenksübungen (Kniebeuge, Kreuzheben, Bankdrücken) kommen vor Isolationsübungen. Das Zentralnervensystem ist zu Beginn frisch, technisch anspruchsvolle Übungen gehören daher an den Anfang. Wer alle Muskelgruppen strukturiert bespielen will, findet in unserem Übungs-Guide Alle Muskelgruppen trainieren eine vollständige Übersicht.

Beispiel-Trainingsplan für drei Einheiten pro Woche

Ein bewährtes Ganzkörper-Schema läuft nach dem A-B-A-Prinzip: zwei Einheiten (A und B) mit unterschiedlichen Schwerpunkten wechseln sich ab, dazwischen liegt jeweils ein Tag Pause. In Woche 2 kehrt sich das Muster um zu B-A-B.

Einheit A (Montag, Freitag):

  1. Kniebeuge, 4 × 8
  2. Bankdrücken Kurzhantel, 3 × 10
  3. Klimmzug (assistiert wenn nötig), 3 × 6-10
  4. Schulterdrücken stehend, 3 × 10
  5. Kurzhantel-Rudern einarmig, 3 × 12
  6. Plank, 3 × 45 Sekunden

Einheit B (Mittwoch):

  1. Rumänisches Kreuzheben, 4 × 8
  2. Ausfallschritt (Lunges), 3 × 12 pro Seite
  3. Liegestütz enger Griff, 3 × 12
  4. Rudern mit Widerstandsband, 3 × 15
  5. Seitheben Kurzhantel, 3 × 12
  6. Beinheben hängend, 3 × 10

Zwischen den Sätzen sollten Anfänger 60-90 Sekunden pausieren, bei schweren Grundübungen 2-3 Minuten. Wie oft du pro Woche insgesamt trainieren solltest, hängt vom Regenerationsstand ab, Details dazu findest du im Beitrag Wie oft in der Woche trainieren?.

Welche Ausrüstung brauchst du für Ganzkörper-Training zu Hause?

Für ein wirksames Ganzkörper-Programm zu Hause reichen drei Bausteine: ein Paar verstellbare Kurzhanteln, eine Klimmzugstange und ein Set Widerstandsbänder. Damit lassen sich 90 Prozent der Grundübungen umsetzen, ohne Langhantel oder Rack anschaffen zu müssen.

Verstellbare Kurzhanteln sind das Kern-Werkzeug. Sets mit 20 bis 40 Kilogramm Gesamtgewicht decken Bankdrücken, Rudern, Schulterdrücken, Ausfallschritte und Curls ab. Klassische Modelle mit Sternverschluss sind günstig und robust, brauchen aber Umbau-Zeit zwischen den Sätzen.

Eine Klimmzugstange im Türrahmen erweitert das Setup um Klimmzüge, Chin-Ups und aufgehängte Beinheben, die effektivsten Übungen für Rücken und Rumpf. Modelle ohne Bohren nutzen den Rahmen als Widerlager und tragen bis 200 Kilogramm.

Widerstandsbänder ergänzen isolierte Zugbewegungen (Face Pulls, Rudern im Sitzen, Bizeps-Curls) und dienen als Assistenz bei Klimmzügen. Sets mit fünf verschieden starken Bändern decken alle Widerstandsstufen ab.

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Wer noch keine Klimmzugstange nutzt, kann die ersten Wochen mit Kurzhantel-Rudern und Latzug am Widerstandsband kompensieren, die Zugbewegung bleibt dabei intakt, nur mit reduzierter Last. Ein Widerstandsband-Set* bietet für unter 40 Euro fünf Widerstandsstufen und einen Türanker für Rudern und Face Pulls.

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Für wen eignet sich der Ganzkörper-Trainingsplan?

Der Ganzkörper-Trainingsplan passt am besten zu Einsteigern, Wiedereinsteigern und Trainierenden mit begrenztem Zeitbudget von zwei bis vier Stunden Trainingszeit pro Woche. Auch fortgeschrittene Athleten nutzen ihn in Phasen mit hoher Alltagsbelastung oder als Übergang zu Kraft-Ausdauer-Zielen.

Für Anfänger ist die hohe Frequenz pro Muskelgruppe ein Vorteil: die Bewegungsmuster von Kniebeuge, Kreuzheben und Bankdrücken profitieren von häufiger Wiederholung. Wer die Grundübungen zwei- bis dreimal pro Woche trainiert, verbessert die Technik schneller als bei einem Bro-Split mit nur einem Beintag pro Woche.

Fortgeschrittene stoßen mit Full-Body an eine Grenze, wenn das Wochenvolumen pro Muskelgruppe über 20 Sätze wachsen soll. Dann verlagert sich der Nutzen zum Split-Training, weil die Einzelsession nicht mehr genug Zeit für hohe Sätze pro Muskel bietet. Details zum Vergleich der Frequenzmodelle stehen im Ratgeber Wie oft trainieren für Muskelaufbau.

💬 Meine Einschätzung

Die gängige Annahme lautet, Splits seien überlegen, weil Bodybuilder auf Wettkampfniveau damit trainieren. In der Praxis zeigt sich aber: Die Studienlage sagt seit über acht Jahren, dass Ganzkörper- und Split-Training bei gleichem Volumen gleiche Ergebnisse liefern. Der Vorteil von Full-Body liegt in drei Punkten: erstens kürzere Regenerationsspannen zwischen Muskelreizen (48 Stunden statt 5-7 Tage), zweitens robuste Abdeckung bei ausgefallenen Einheiten (eine verpasste Session lässt keine Muskelgruppe komplett aus) und drittens weniger Volumen-Redundanz durch Isolationsübungen. Wer keinen Wettkampf plant, gewinnt mit Full-Body Zeit und Konsistenz, beides schlägt jeden theoretischen Vorteil eines Splits.

✓ Das Wichtigste in Kürze

  • Zwei bis drei Einheiten pro Woche reichen für spürbaren Muskelaufbau, jede mit 48 Stunden Pause dazwischen
  • Sechs bis acht Grundübungen pro Session in der Reihenfolge Beine → Push → Pull → Schulter → Rumpf
  • Meta-Analyse Schoenfeld 2016: Frequenz steigert Muskelaufbau leicht (~0,49 Prozentpunkte pro Woche) bei gleichem Volumen
  • Home-Setup: verstellbare Kurzhanteln plus Klimmzugstange und Widerstandsbänder decken 90 Prozent der Übungen ab
  • A-B-A-Wechsel im Wochenrhythmus verhindert Reiz-Redundanz und deckt Beinvarianten (Kniebeuge, Kreuzheben, Lunges) ab

Häufige Fragen zum Ganzkörper-Trainingsplan

Diese fünf Fragen tauchen zum Ganzkörper-Trainingsplan regelmäßig auf und ergänzen die Hauptkapitel um typische Detail-Anliegen aus dem Alltag.

Kann man mit Ganzkörper-Training an Muskelmasse zulegen?

Ja. Bei zwei bis drei Einheiten pro Woche mit progressiver Belastungssteigerung baut ein Ganzkörper-Trainingsplan Muskelmasse genauso zuverlässig auf wie ein klassischer Split. Voraussetzung sind ausreichend Kalorien im leichten Überschuss und 1,6 bis 2,0 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht.

Wie lange dauert eine Ganzkörper-Einheit?

Eine strukturierte Session dauert 45 bis 70 Minuten. Sechs bis acht Übungen mit drei Sätzen und 60-120 Sekunden Pause ergeben rund 45 Minuten reine Übungszeit plus Aufwärmen und Cooldown. Wer intensivere Grundübungen wie Kreuzheben integriert, plant eher 70 Minuten.

Was tun bei Muskelkater nach dem Ganzkörper-Training?

Leichter Muskelkater ist normal und verschwindet nach 24-72 Stunden. Aktive Regeneration (Spaziergang, lockeres Radfahren) beschleunigt den Prozess. Bei starkem Muskelkater die nächste Einheit verschieben oder mit reduziertem Gewicht ausführen. Details stehen im Ratgeber Muskelkater.

Kann ich Ganzkörper-Training mit Cardio kombinieren?

Ja. Zwei bis drei Cardio-Einheiten pro Woche à 20-30 Minuten stören den Muskelaufbau nicht, wenn sie an trainingsfreien Tagen liegen. Nüchtern-Cardio direkt vor Krafttraining reduziert allerdings die Kraftleistung und ist bei Muskelaufbau-Zielen zu vermeiden.

Ist Ganzkörper-Training auch für Frauen geeignet?

Ja. Die physiologischen Anpassungen unterscheiden sich zwischen Männern und Frauen nur marginal, Wachstumsreize, Volumen und Frequenz gelten geschlechtsübergreifend. Eine randomisierte Studie an untrainierten Frauen aus 2022 zeigte gleiche Zuwächse bei Split- und Full-Body-Programmen.

Quellen und weiterführende Literatur

Die Empfehlungen im Artikel stützen sich auf Meta-Analysen, Fachpublikationen und Herstellerangaben. Die wichtigsten Quellen im Überblick:

  • Schoenfeld, Ogborn, Krieger: Effects of Resistance Training Frequency on Measures of Muscle Hypertrophy (Meta-Analyse 2016) · pubmed.ncbi.nlm.nih.gov · Zeigt eine leichte, aber konsistente Überlegenheit höherer Frequenzen pro Muskelgruppe bei gleichem Volumen.
  • Efficacy of Split Versus Full-Body Resistance Training (Systematic Review 2024) · researchgate.net · Systematischer Vergleich der Trainingssysteme mit dem Ergebnis, dass Volumen und Intensität wichtiger sind als das Split-Format.
  • Randomized Trial on Split-Body versus Full-Body Resistance Training in Women (BMC Sports Sci Med Rehabil 2022) · doaj.org · Kontrolliert an untrainierten Frauen und findet keine Unterschiede bei Kraft und Muskelquerschnitt.
  • AOK Fitness-Magazin: Ganzkörpertraining · aok.de · Übersicht zu Trainings-Prinzipien und Übungswahl aus Sicht der Präventionsmedizin.
  • Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention: Empfehlungen zur Trainingshäufigkeit · dgsp.de · Positionspapiere zu Frequenz und Intensität im Kraftsport.
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